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Fakultät Architektur und Bauingenieurwesen

Unscharfe Stellen

Der Zwischenraum als Verhandlungsraum von Natur und Kultur

In diesem Seminar wird der „Zwischenraum“ oder die „unscharfe Stelle“ nicht als bloße Leerstelle betrachtet, sondern als aktiver räumlicher und gedanklicher Zustand, in dem Verhandlungen stattfinden können. Wir untersuchen das Potenzial von Unschärfe, Porosität und Uneindeutigkeit, um die vom Anthropozän geprägten Dualismen von Natur/Kultur sowie Gestaltung/Verwilderung kritisch zu hinterfragen.


Donna Haraway bezeichnet diese Dualismen als Grund für eine Distanz zur Welt und dafür, dass wir die Herausforderungen unserer Zeit nur schwer lösen können [1]. Unsere gegenwärtigen ökologischen Krisen sind untrennbar mit dieser strikten Trennung und der daraus resultierenden Entfremdung von unserer Umwelt verbunden [2]. Insbesondere für Architekt*innen bietet die Auseinandersetzung mit
den Stellen, an denen diese Dualismen unscharf werden, die Chance, die starren Grenzen aufzubrechen und neue, resiliente Beziehungen zwischen Gebautem, Geplantem und der Umwelt zu entwerfen.

Dabei gehen wir folgenden Fragen nach:

  •  Wie definieren wir Natur und Kultur, und welche Auswirkungen hat dies auf
    unsere Praxis als Architekt*innen?
  • Können physische Offenheit, Porosität und Unschärfe soziale sowie
    ökologische Potenziale stärken?
  • Inwiefern lässt sich gestalterische Uneindeutigkeit als kritisches Werkzeug
    des Entwerfens nutzen?

Kursablauf:

Wir treffen uns im Zweiwochenrhythmus und diskutieren gemeinsam theoretische Texte (u. a. von Latour, Haraway, Clément, Böhme). Anschließend untersuchen wir anhand bestehender Architektur- und Kunstpositionen (u. a. von Bo Bardi, Trouvé, Matta-Clark, Ishigami, Lacaton & Vassal, SANAA), wie diese Themen im physischen Raum umgesetzt und verhandelt werden.

Wir analysieren, welche Wirkung diese Räume erzeugen und welche Form der Beziehung sie zwischen uns und der Umwelt sowie zwischen Natur und Kultur vermitteln. Mithilfe begleitender Analysezeichnungen werden die „unscharfen Stellen“ bis zum Ende des Seminars grafisch herausgearbeitet und deren spezifische Qualitäten aufgezeigt.

Leistungsnachweis

Die aktive Teilnahme an den Seminaren und das lesen der Quellentexte bilden die Grundlage. Die geforderte Leistung umfasst

  • Referat: Analyse eines theoretischen Textes und einer architektonischen bzw. künstlerischen   Position.
  • Moderation: Pro Termin werden zwei bis vier Texte oder Architektur- /Kunstpositionen vergleichend besprochen. Die jeweilige Referatsgruppe leitet die gemeinsame Diskussion an.
  • Analysezeichnungen: Erstellen von drei bis fünf grafischen Analysezeichnungen anhand von Architekturen/ Kunstwerken

[1] Vgl. Haraway, Donna J.: Unruhig bleiben. Die Verwandtschaft der Arten im Chthuluzän. Frankfurt am Main: Campus Verlag, 2018. [2] Vgl. Latour, Bruno: Kampf um Gaia. Acht Vorträge über das neue Klimaregime. Berlin: Suhrkamp, 2017.

 

Einführung: Die Einführung findet am Dienstag, 14.04.2026 um 14:00 Uhr im Pavillon 8 Raum 0.21 statt.

Ansprechpartner: Lilli Hanada

Eine Anmeldung über das Campusportal ist zwingend erforderlich.

Hier geht es zum Campusportal…

21.04.26 | 15:00 Uhr | Pavillon 8, Raum 021

Regulärer Kursbeginn: 05.05. | 15:00 – max. 18:00 Uhr (fortlaufend im
Zweiwochenrhythmus)

Kursname: SoSe26_WPF_Unscharfe_Stellen

Einschreibeschlüssel: Unschärfe

 

Es ist wahlweise die Anerkennung als Methoden der Transformation I/II oder Eigenartige Orte I/II möglich.